ZAHLEN UND FAKTEN

DIE AUSGANGSLAGE

Laut den Richtlinien für den Betrieb von Kindertagesstätten von 2012 darf eine ausgebildete Fachkraft bis zu 8 Krippenkinder (von 0-3 Jahren) oder 13 Elementarkinder (von 3-6 Jahren) betreuen. Bei diesen Werten sind Urlaub, Krankheit, Fortbildung und längere Randbetreuungszeiten nicht berücksichtigt und bilden dadurch nicht die in der Praxis reale ErzieherInnen-Kind-Relation ab. In Zeiten von Urlaub und/oder Krankheit verschlechtert sich die Situation wesentlich. Darüber hinaus stehen den Hamburger PädagogInnen keine zusätzliche Zeit für die sogenannte mittelbare Pädagogik (Vor- und Nachbereitung, Dokumentation, Beobachtungen, Elternarbeit, …) zur Verfügung. Hierfür müssen also zusätzlich Zeiten am Kind gekürzt werden und die mittelbaren pädagogischen Tätigkeiten fallen nicht selten in Pausen oder Freizeit.

Unter diesen Bedingungen bekommen die Hamburger Kitakinder nicht die Nähe und Aufmerksamkeit bekommen, die nötig sind um eine angemessene bildungs- und entwicklungsfördernde pädagogische Arbeit zu gewährleisten. Wir möchten, dass Kinderbetreuung nicht zur Aufbewahrung wird. Der Senat ist aufgefordert, endlich Bedingungen zu schaffen, nach denen ihre eigenen Bildungsziele erreicht werden können.

Die im Juni 2014 veröffentliche Studie „Schlüssel zu guter Bildung, Erziehung und Betreuung in der Freien und Hansestadt Hamburg“ von Frau Prof. Dr. Susanne Viernickel stellt fest, dass die Personalressourcen für Kinder in den ersten drei Lebensjahren deutlich zu niedrig sind und empfiehlt eine dringende Korrektur des Richtwerts. Die Bertelsmann Stiftung bestätigt dies: Es wird empfohlen, dass bei den unter Dreijährigen eine pädagogische Fachkraft für höchstens drei Kinder verantwortlich sein sollte. Für die Altersgruppe ab drei Jahren sollte der Personalschlüssel nicht schlechter als 1 zu 7,5 sein.

Nach den massiven Protesten vom Kitanetzwerk und anderen im Jahr 2014 wurden die Verhandlungen zwischen Senat und Trägern wiederaufgenommen, um bessere Rahmenbedingungen zu schaffen.

DAS ECKPUNKTEPAPIER 2014

Im sogenannten Eckpunktepapier wurde folgendes vereinbart: Es soll bis 2025/2026 eine Verbesserung der Personalschlüssel im Krippenbereich auf 1:4 sowie im Elementarbereich auf 1:10 erreicht werden.

Dies sollte im Einzelnen so umgesetzt werden:

  • Ab dem 01.04.2015 bekommen Krippenkinder im Alter bis einschließlich 24 Monaten 10% mehr Personal
  • Ab dem 01.08.2016 wird die 10%ige Verbesserung auf alle Krippenkinder ausgedehnt
  • Ab dem 01.08.2019 soll nach Möglichkeit ein Krippenschlüssel von 1:4 erreicht werden, erst dann sollen Schritte zur Verbesserung im Elementarbereich folgen
  • Die Träger müssen dafür auf einen jährlichen Beitrag von 0,5% ihrer Steigerungsrate verzichten

Was wird kritisiert an dieser Vereinbarung?

Die vereinbarten Zeiträume sind ausdrücklich zu lang und die Verbesserungen so gering, dass sie kaum spürbar waren, vor allem, wenn man bedenkt, dass die Träger dafür auf einen Teil ihrer Steigerungsrate verzichten und somit die Personalverbesserungen in den ersten Jahren zu großen Teilen selbst zu tragen hatten.

NEUE EINIGUNG ZWISCHEN BASFI UND DEN KITA-VERBÄNDEN 2017

Die BASFI hat sich mit den Verbänden darauf geeinigt, folgende Personalverbesserungen in der Krippe vorzunehmen: Es werden jeweils zum 01. Januar der Jahre 2018 bis 2021 500 ErzieherInnen neu eingestellt, um dann im Jahre 2021 auf einen Personalschlüssel von 1:4 zu kommen.

Was wird kritisiert an dieser Vereinbarung?

  • Ursprünglich war im Eckpunktepapier vereinbart, dass zum 01.08.2019 in der Krippe ein Personalschlüssel von 1:4 herrschen sollte, d.h. bis zum Erreichen dieser Zahlen dauert es nun zwei Jahre länger! Begründet wird dieser Schritt mit dem Fachkräftemangel.
  • Wieder einmal sprechen wir hier vom Personalschlüssel, bei dem die mittelbare Pädagogik (Vorbereitung, Dokumentation, Elternarbeit) und die Ausfallzeiten nicht berücksichtig sind! Daher leitet sich ab, dass man in der Praxis nur ÄUSSERT SELTEN auf diese Zahlen kommt. Realistisch ist anzunehmen, dass in der Praxis dann ein Schlüssel von 1:5 herrschen wird, der wiederum von der wissenschaftlichen Empfehlung von 1:3 weit entfernt ist.
  • Für die Elementarbereich ändert sich NICHTS! Für alle Kitakinder von 3-6 Jahren ist eine Verbesserung der Betreuungsqualität erst ab 2025 vorgesehen!

Richtig ist, dass es z.Zt. schwierig ist, Stellen zu besetzen, aber wir müssen hier umfassender denken. Hamburg steht finanziell gut da, Kitabildung hat momentan einen höheren Stellenwert erhalten und PädagogInnen werden gebraucht. Wenn Hamburg wieder einmal in eine finanzielle Schieflage gerät, sind die vagen Versprechungen in der Eckpunktevereinbarung vielleicht hinfällig und die Standards werden eventuell wieder abgesenkt. Auch wenn wir nicht jede Stelle besetzen können, müssen wir jetzt dafür sorgen, dass gute und langfristig verbindliche Qualitätsstandards formuliert werden – als Perspektive für jetzige und noch kommende Fachkräfte.

DIE VOLKSINITIATIVE 2017

In diesem Jahr starten wir die Volksinitiative zur Verbesserung des Personalschlüssels in Hamburger Kitas. Basierend auf wissenschaftlichen Empfehlungen fordern wir eine Fachkraft-Kind-Relation von 1:4 in der Krippe und 1:10 im Elementarbereich.

Wir kämpfen für:

  • Einen besseren, gesetzlich verbindlichen Personalschlüssel in Krippe UND Elementarbereich unter Berücksichtigung der Ausfallzeiten
  • Mehr Zeit für die mittelbare Pädagogik

Alle Infos zu diesem Thema findest Du unter Volksinitiative und Aktuelles.