frühkindliche bildung am boden!

 

Das Kitanetzwerk Hamburg gibt es seit 10 Jahren. In diesem Jahr rufen wir 

 „DAS JAHR DER FRÜHKINDLICHEN BILDUNG“

aus und das aus gutem Grund, denn die Auswirkungen der Kinder- und Jugendpolitik in Hamburg sind gravierend.  Der Fachkräftemangel, gestiegene Anforderungen an das Personal und die nicht ausreichende Refinanzierung bringen die Kitas in Hamburg ans Limit: hohe Belastung bei den Fachkräften mit hohen Krankenständen als Folge, große finanzielle Probleme bei den Trägern, eine herausfordernde Lage bei den Eltern durch die nicht mehr verlässliche Betreuung und ein Verlust der Qualität in der frühkindlichen Bildung mit erheblichen Einschränkungen für die Kinder sind die Folgen. 

Die Behörde und der Senat werden nicht müde zu betonen, dass der Kita-Etat in Hamburg über Jahrzehnte gestiegen ist. Und das ist auch richtig. Der Grund dafür ist allerdings, dass Hamburg ausschließlich den quantitativen Ausbau stark vorangetrieben hat: Elternbeitragsfreiheit, Kitaausbau und dem Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz. 

Das System Frühkindliche Bildung erfährt seit Jahrzehnten eine Unterfinanzierung und expandiert ohne Strategie. Dies stellt die pädagogischen Fachkräfte, aber auch Eltern vor große Herausforderungen, denn die Auswirkungen der mangelhaften Ausstattung sind: 

-        Keine verlässliche Betreuung: Auf Grund der mangelnden Personalausstattung und dem hohen Krankenstand müssen Eltern immer öfter gebeten werden, ihre Kinder früher abzuholen oder selbst zu betreuen. Kinder erfahren wenig Kontinuität durch Gruppenzusammenlegungen oder Vertretungen durch Zeitarbeit. 

-        Intransparenz der gesetzlichen Grundlagen: Die sog. Personalvorhaltequote gibt es nur auf dem Papier. Das Leben in den Kitas sieht anders aus, da in den gesetzlich vorgegebenen Personalschlüsseln Fehlzeiten wie u.a. Urlaub nicht berücksichtigt sind.  Beim Träger elbkinder werden aus finanziellen Gründen ab sofort nur noch 95% der vorgeschriebenen Personalstunden eingesetzt, d.h. der Betreuungsschlüssel wird noch schlechter, die Belastung für das Personal noch höher! Der blanke Hohn!

-        Fachkräfteflucht: Frisch ausgebildete Pädagog*innen kommen nicht in den Kitas an, vorhandenes Personal sucht sich andere Tätigkeitsfelder. 

-        Überdimensionaler Krankenstand: Die hohe Arbeitsbelastung führt zu stetig ansteigendem Krankenstand in unserer Branche. 

-        Die Qualität der frühkindlichen Bildung leidet immens: Gut vorbereitete pädagogische Projekte sind schwer oder gar nicht durchzuführen durch die mangelnde Ausstattung mit Vorbereitungszeiten. Folgen sind auch durch Studien wie z.B. PISA merkbar, da viele Kinder häufig die ausreichenden Lese- und Rechenkompetenzen nicht erwerben. 

-        Die Förderung der Individualität des Kindes bleibt durch die großen Gruppen und Vertretungen auf der Strecke. 

-        Mutlosigkeit und Resignation der Pädagog*innen: Diese brennen für ihren Beruf und möchten ihre pädagogischen Fähigkeiten gern einsetzen. Durch die dauernde Diskrepanz zwischen angemessener Pädagogik und der Realität brennen diese Fachkräfte aus. 

-        Weiterqualifizierung lohnt sich für die Pädagog*innen nicht: Es gibt keinen finanziellen Anreiz, da es nach Weiterqualifizierung (z.B. HEP- Heilerziehungspflege) keine höhere Vergütung gibt. Auch inhaltlich finden Fachkräfte kaum Anreize zur Weiterqualifizierung, denn auch weiter qualifizierte Kolleg*innen werden als Lückenfüller eingesetzt, statt ihre eigentliche Aufgabe wahrnehmen zu können. 

Der qualitative Ausbau muss dringend folgen, um das System Kita vor dem Kollaps zu bewahren! Wir brauchen zeitnah ein fokussiertes, differenziertes und konsequentes Handeln für eine gute Qualität und eine verlässliche Betreuung in Hamburger Kitas – jetzt!